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Jahreslosung 2016
„Gott spricht: ich will euch trösten, wie eine Mutter tröstet.“ Jes.66,13

Liebe BesucherInnen unserer Internetseite,

eben fiel mir noch einmal ein Zeitungsinterview in die Hände, das ich vor einem Jahr der LVZ gegeben habe. Es stand unter der Schlagzeile „Terroranschlag in Paris“.

Das Thema „Terror“ und „Angst vor Terror“ durchzog das zurückliegende Jahr in bis dahin nicht gekannter Intensität.

Kaum eine Woche, manchmal kaum ein Tag vergingen, bis wir wieder durch eine Terror-

warnung oder Anschlagsmeldung aufgeschreckt wurden.

Nicht nur bei Flugreisen, auch bei Konzertveranstaltungen oder Fußballspielen haben wir uns an Leibesvisitationen gewöhnt. Die Angst gehört zum Alltag. Gefühle von Schutz-

losigkeit, Verletzbarkeit und Bedrohtheit prägen die öffentliche Wahrnehmung, die nicht durch Wahrscheinlichkeitsberechnungen und Fakten zu beeinflussen ist.

Terrorangst, wie auch der Terror selbst lassen sich nicht mit Flugzeugen und Bomben bekämpfen. In diese Situation, in dieses Lebensgefühl hinein spricht die Jahreslosung 2016 aus dem Buch des Propheten Jesaja:

Gott spricht: „Ich will euch trösten, wie eine Mutter tröstet“ Jes. 66,13

Ich habe Bilder unserer Kinder vor Augen, wie sie als Kleinkinder nach beängstigenden oder unangenehmen Erfahrungen bei meiner Frau Schutz, Trost und Heilung suchten. Das Stillen an der Mutterbrust verwandelte allen Schmerz und alle Angst in Geborgen-

heit und inneren Frieden.

Wie aber ist das für uns Erwachsene, für die schon lange keine „Mutterbrust<“ mehr zur Verfügung steht? Trotzdem gibt es in uns die Sehnsucht nach geschützten Räumen, nach uneingeschränkter und allumfassender Geborgenheit und Liebe, nach Verbunden-

heit mit der göttlich- mütterlichen Quelle. Und manchmal flüchten wir uns in solche uterushaften Räume in unserer Phantasie, in unseren Träumen, in der Literatur, durch Filme und Musik.

Psychologen bezeichnen solche Fluchten als Regression. Zugleich aber sind solche Fluchten überlebensnotwendig und unterstützend, wenn wir danach gestärkt zurück-

Kehren in unser Erwachsensein und uns den Herausforderungen des Lebens stellen.

Aus der Perspektive des Glaubens aber hat das Bild von Gott als Mutter eine weitaus tiefere Bedeutung. Ob zu Zeiten des Propheten Jesaja oder heute: Leben war und ist immer bedroht und mit Risiken verbunden.

Zugleich aber sind und bleiben wir, egal wie erwachsen wir sind, Kinder eines liebenden Gottes, der uns die Freiheit geschenkt hat, eigene Lebenserfahrungen zu machen: der uns aber auch nachgeht und trägt, wenn wir nicht mehr gehen können, der uns tröstet, stärkt und heilt wie eine Mutter. Was für eine wunderbar stärkende Zusage nicht nur an uns, sondern an alle Menschen auf dieser Erde!

Das verbindet uns mit dem anderen großen Thema des vergangenen Jahres, dem Thema Flüchtlinge und Asyl.





In Bürgergesprächen, Themenabenden und Gemeindeveranstaltungen, Kirchenvorstands-

sitzungen und auch Gottesdiensten haben wir darüber kontrovers diskutiert. Unser Land verändert sich und die damit verbundenen Probleme sind eine große Heraus-

forderung für Politik, Gesellschaft und jeden einzelnen.

Viele Flüchtlinge aber haben genau das an Leib und Seele erlebt, was wir befürchten.

Sie erlitten selbst Gewalt oder wurden Zeugen von Gewalt, Zerstörung und Tod.

Bei uns suchen sie Zuflucht und Trost. Umso mehr gilt auch ihnen die Zusage der Jahreslosung. Uns kommt dabei die Aufgabe zu, von der mütterlichen Liebe Gottes nicht nur abstrakt zu reden, sondern sie spürbar werden zu lassen. Dazu stärke und segne uns Gott. Amen.

Humpelnde Welt

Es bleibt nicht aus, dass man den Mut verliert, wenn man schon längere Zeit mit seinen wunden Füßen herumexperimentiert.
Ich hatte noch immer nicht den richtigen Schuh, die richtige Sohle, die richtige Salbe gefunden;
Ich sah –fast getröstet – anderen Humpelnden zu.
Und kam ein Morgen, ein kalter, unangenehmer,
Der hatte-mir günstig-mir freudige Post beschert.
Ich humpelte weinwärts, aber ich hinkte bequemer.
Ich glaube, es schneite, donnerte, regnete,
Rauchte, aber für mich nicht bestellt.
Mir lächelte alles, was mir begegnete.
Auch du kannst so schön sein, humpelnde Welt.Joachim Ringelnatz