Herzlich Willkommen!

Liebe Gemeindemitglieder,

wir bitten Sie, mit besonderer Aufmerksamkeit vor allem ältere und kranke Menschen in Ihrer Nachbarschaft in den Blick zu nehmen, nachzufragen und Unterstützung anzubieten. Wer Unterstützung und Hilfe braucht beim Einkaufen, Medikamentenbesorgung… soll diese erhalten können. Gemeinsam mit dem Verein Stadt und Schloss Mutzschen entstand eine Initiative, die Bedürftige und Helfer zusammenbringen möchte. Informationen dazu gibt es demnächst über www.nebenan.de (Zugangscode: naczo-rarlo). Hier entstand auch die Idee, Flyer für alle Haushalte zumindest in Mutzschen mit den entsprechenden Informationen zu verteilen, weil nicht jeder einen Internetanschluss hat. Wir wissen nicht, wie sich die Ausgangsbeschränkungen noch entwickeln werden. Wer Hilfe braucht kann sich zunächst per Telefon an das Pfarramt (03438551445) wenden. Wir werden versuchen, Kontakte zu Helfern herzustellen. Wer Einkaufsunterstützung…. anbieten möchte, kann ebenfalls an uns eine Info per Mail schicken. (kg.mutzschen@evlks.de) Lasst uns (mit genügend Abstand!) zusammenstehen in dieser außerordentlichen Situation und uns wechselseitig im Geist von Nächstenliebe und Solidarität unterstützen!

Viele Grüße

Bleiben Sie behütet!

Markus Wendland und Henning Olschowsky

Jahreslosung 2020

Markus 9,24 "Ich vertraue, hilf meinem Mangel an Vertrauen!" (nach Bibel in gerechter Sprache)

Von der Unverfügbarkeit des Schneefalls

Jedes Jahr Mitte Januar fahre ich mit einer kleinen Gruppe zum Winterwochenende nach Neudorf am Fuß des Fichtelbergs.

Und wie jedes Jahr wird vorher die bange Frage laut: „Wieviel Schnee wird es geben?“ Hoffentlich wird es nicht sein wie im letzten Jahr, als die Bäume unter der Schneelast brachen und Autos und Dampflock stecken blieben, aber auch nicht so wie zu Weihnachten, als der Ort von nassgrauem Nebel eingehüllt war.

Ein leichter Flockenwirbel, der eine Landschaft mit einer weißen Schneedecke überzieht, verwandelt unsere Welt und ist wie der Einbruch einer anderen Realität. Er lässt sich nicht künstlich herstellen und hat nichts mit Kunstschnee aus Schneekanonen zu tun. Er ist wie ein unerwartetes Geschenk, nach dem sich viele - nicht nur die Kinder - vor allem zu Weihnachten sehnen. Schneefall ist - so beschreibt es der Soziologe und Philosoph Hartmut Rosa in seinem neuen Buch „Unverfügbarkeit“ - geradezu die „...Reinform einer Manifestation des Unverfügbaren.“ Und damit wird unser Verhältnis zum Schnee zum Sinnbild unseres modernen Weltverständnisses, das vom Wunsch geprägt ist, die Welt verfügbar zu machen.

Was unser Leben aber wirklich ausmacht, was uns Lebendigkeit und Tiefe spüren lässt, erwächst aus der Begegnung mit dem Unverfügbaren. Denn eine Welt, so sagt Rosa, „… die vollständig gewusst, geplant und beherrscht wäre, wäre eine tote Welt.“ Und in unserem Alltag spüren wir das ja, dass neben Vielem, das wir beherrschen, berechnen, verfügbar machen können, anderes unverfügbar bleibt.

Zu diesen Unverfügbarkeiten gehört beispielsweise auch der Fußball, der vollkommen langweilig würde, könnte man Sieg oder Niederlage zu 100% vorausberechnen.  Aber auch das Einschlafen gehört dazu. Je mehr ich es will, umso weniger lässt es sich erzwingen. Ähnlich verhält es sich mit der Liebe oder der Gesundheit. Ich kann etwas für den Erhalt einer liebevollen Beziehung tun, ich kann mich gesund ernähren und Sport treiben, eine Liebe erzwingen oder eine Krebserkrankung vollständig ausschließen kann ich nicht. Und schließlich gehört auch der Tod zu den Unverfügbarkeiten, die unser Leben ausmachen.

Das Weltverständnis unserer postmodernen Gesellschaft aber ist vom Glauben an die Beherrschung aller Unverfügbarkeiten des Lebens geprägt. Durch neueste Technologien und Künstliche Intelligenz  werden in einer nicht allzu fernen Zukunft auch Alterungsprozess und Tod beherrschbar und überwunden sein, so der Glaube.

Aldous Huxley beschreibt schon 1932 in seinem Roman „Schöne neue Welt“  die Dystopie einer solchen Zukunftsgesellschaft. In dieser „perfekten“ Welt gibt es nichts mehr zu tun. Um keine Liebe muss mehr gekämpft werden, denn jeder gewünschte Traumpartner steht willig zur Verfügung. Krankheiten oder Hunger sind ausgerottet. Alles Leben folgt perfekt geplanten Mustern. Es gibt nichts Unvorhergesehenes, keine Herausforderungen, keine Zufälle. Und wenn doch einer deprimiert nach seinem Lebenssinn fragen sollte, erhält er sofort eine Aufmunterungspille verabreicht. Alles ist verfügbar, alles beherrschbar. Menschen sind zu Automaten geworden, ewig lebendig und zugleich tot. Den frei lebenden und entscheidenden Menschen gibt es nicht mehr.

Menschsein aber bedeutet in Resonanz zu sein mit dem, was unverfügbar ist. Ich kann, ich will nicht alles wissen, beherrschen, planen und steuern. Und weil ich das nicht will und kann, ist Vertrauen ein Grundelement meines Lebens. „Ich vertraue, hilf meinem Mangel an Vertrauen.“ So heißt die Jahreslosung für dieses Jahr in einer modernen Übersetzung (Mk. 9,24). Sie will uns Mut machen zu einem Leben, das sich letztlich nicht Kontrollieren, absichern, verfügbar machen lässt, das sich aber in lebendiger Resonanz zu Mitmenschen, zur Natur, zu Gott vollzieht.

Dem Leben und Gott zu vertrauen bedeutet aber auch, meine Zweifel zuzulassen, meine Ängste, meine Ohnmacht und dennoch nicht zu ver - zweifeln, weil ich in meinem Herzen spüre, dass es neben allen Unverfügbarkeiten, denen ich in meinem Leben begegne, ein letztes unverfügbares Gegenüber gibt, mit dem ich mich in einer liebevollen Resonanz befinde: Gott.

Und wenn nach vielen grauen nasskalten Tagen leichter Flockenwirbel durch den Garten weht und Bäume und Büsche mit einer weißen Schneedecke überzieht, erfreue ich mich an diesem traumhaften und unverfügbaren Einbruch einer anderen Realität in unsere Welt.

Leben und genießen sie es mit mir..

Ihr Pfarrer Henning Olschowsky